Moondog

Louis Thomas Hardin wurde am 26.05.1916 Maryville, Kansas geboren. Als 16-jähriger verlor er sein Augenlicht. Er erhielt dennoch eine fundierte musikalische Ausbildung, lernte Violine, Viola, Klavier, Orgel und Harmonielehre. Außerdem schulte er sein Gehör so weit, dass er seine musikalischen Einfälle aus dem Kopf in Blindenschrift niederschreiben konnte.

Den Namen „Moondog“ legte er sich 1947 zu – nach seinem Blindenhund, der, so Hardin, „mehr als jeder andere Hund, den ich kannte, den Mond anheulte „.
1943 zog es Hardin nach New York, wo er bis in die 70er Jahre „street life“ als dichtender und musizierender Clochard führte. In dieser Zeit lernte er viele Künstler kennen, darunter Berühmtheiten wie Charlie Parker, Allen Ginsberg, Julie Andrews. Fasziniert von der Lektüre der „Edda“, legte er sich eine Wikingerkluft zu.

1974 wurde er durch die Vermittlung seines Freundes Paul Jordan vom Hesssischen Rundfunk zu zwei Konzerten eingelanden. Anschließend blieb Moondog einfach in Deutschland, der Heimat seiner großen klassischen Vorbilder. Er nahm sein Leben als Straßenmusiker zunächst in Hamburg, Hannover und Recklinghausen wieder auf, bis ihn die Studentin Ilona Göbel ins elterliche Haus nach Oer-Erkenschwick (Münsterland) einlud, wo er fortan lebte. Göbel lernte, Moondogs Kompositionen aus der Blinden- in Notenschrift zu übertragen und gründete den Verlag Managarm, in dem die Werke verlegt sind.

Nachdem es Ende der 70er still um ihn geworden war, erlebte Moondog 10 Jahre später ein Comeback mit der Einladung zum New Music America Festival nach New York. Die Medienresonanz war überwältigend. Bis zu seinem Tod 1999 veröffentlichte Moondog mehrere Alben, komponierte unermüdlich und trat mit unterschiedlichsten Ensembles und Besetzungen auf. Seine Musik fand Anerkennung sowohl bei klassischen Musikern und Komponisten, z.B. Philipp Glass, Steve Reich, als auch in etablierten Jazz-Kreisen wie dem Jazz-Festival Moers oder dem Stuttgarter Jazzgipfel.